...die 2. Runde der sog. "Schladner Gespräche" und Referent war diesmal Roger Reckewell, der Bereichsleiter der Agentur für Arbeit (Wolfenbüttel-Salzgitter-Braunschweig):

Es fehlt an Arbeitsstellen in Deutschland. Alle bisherigen politischen Lösungsversuche schlugen weitgehend fehl. Das Problem: Alle hatten einen falschen Lösungsansatz.

In den Parteiprogrammen sei das Ziel der Vollbeschäftigung oder die Rückkehr zu mehr Beschäftigung arbeitsmarktpolitisches Wunschdenken, so Reckewell. Er lieferte Zahlen, rückblickend bis 1950. Demnach gab es Vollbeschäftigung in Deutschland nur zwischen 1960 und 1973, unterbrochen 1966 und 1967 von einer "Mini-Rezession" (Reckewell) mit 500 000 Arbeitslosen.

"Das sind seit den Nachkriegsjahren nur 18 Prozent Vollbeschäftigung", rechnete er vor. Wird es in unserer globalisierten Wirtschaftswelt noch einmal Vollbeschäftigung geben? Getragen würden diese "alten Ziele" von populistischen Überlegungen, so Reckewell. Eine Lösung könne die radikale Veränderung unseres Beschäftigungs- und Alimentierungssystems sein.

Ihm sei bewusst, dass sein Vorschlag schockieren werde. Aber er sei die Antwort auf das Ergebnis eines Treffens 1994 im Fairmont-Hotel in San Francisco. Dort waren 500 führende Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler zusammengekommen. Im Ergebnis wurde die "80:20 Gesellschaft" geboren. Demnach werde absehbar nur noch für 20 Prozent der Erwerbsbevölkerung Arbeit vorhanden sein, erzählte Reckewell. Für die anderen 80 Prozent wurde der Begriff "Tittytainment" entwickelt. Dieser Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung müsse ohne Arbeit "bei Laune" gehalten werden. Gedacht ist an eine Mischung aus "betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung".

Ein Horrorszenario oder bald ernüchternde Wirklichkeit? Reckewell ging weiter. Er regte die Einführung einer Grundsicherung für alle Bürger an, mit dem Vorteil, auf eine Bedürftigkeitsprüfung bei der Alimentation verzichten zu können. (Quelle)